Kunst im Wohnzimmer: 7 Entscheidungen vor dem Kauf
Wählen Sie Kunst fürs Wohnzimmer zuerst nach Ihrem persönlichen Bezug und prüfen Sie danach Standort, Format, Farbe, Material und Budget. Vergleichen Sie zwei bis drei Favoriten mit massstabsgrossen Papierflächen und einer Visualisierung im eigenen Raum; Oberfläche und tatsächliche Präsenz beurteilen Sie anschliessend am Original.
Ein Werk gefällt Ihnen sofort – aber möchten Sie es auch beim ersten Kaffee, an einem gewöhnlichen Abend und neben Ihren vertrauten Möbeln sehen? Im genutzten Wohnzimmer zählt nicht nur der erste Eindruck. Entscheidend ist, ob Ihre Wahl im Alltag Bestand hat.
Die folgenden sieben Entscheidungen führen vom persönlichen Geschmack bis zur Prüfung vor dem Kauf. Drei Originalwerke dienen dabei als konkrete Vergleichsbeispiele, nicht als Einkaufsliste. Besonders aufschlussreich: Alle sind 100 cm breit, unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Höhe.
1. Persönlicher Bezug: Welche Kunst möchten Sie täglich sehen?
Beginnen Sie ohne Blick auf Sofafarbe oder Einrichtungstrends. Notieren Sie drei Werke, bei denen Sie länger verweilen. Ergänzen Sie jeweils einen Satz: «Mich interessiert daran …». Geht es um ein Motiv, die Farbigkeit, eine Bildsprache oder etwas, das Sie nicht sofort benennen können? Auch Letzteres ist ein guter Ausgangspunkt.
Als Vergleich eignen sich drei unterschiedliche Ansätze: «Etter 4791» von René Etter gehört zur abstrakten Kunst, «Urban Prelude» von Carl Smith zur Urban Art und «The Window Room» von Jonjo Elliott zur figurativen Kunst. Fragen Sie nicht, welcher Stil grundsätzlich besser ins Wohnzimmer passt, sondern welcher Sie persönlich zum erneuten Hinschauen einlädt.
Reduzieren Sie Ihre Auswahl auf zwei bis drei ernsthafte Kandidaten. Behalten Sie mindestens ein Werk, das Sie unabhängig von seiner farblichen Übereinstimmung mit der Einrichtung wählen würden. Kunst muss nicht bloss passendes Zubehör sein.
2. Standort: Wo soll Kunst im Wohnzimmer überzeugen?
Wählen Sie zunächst eine Hauptwand. Setzen Sie sich auf Ihren üblichen Sofaplatz und betrachten Sie dieselbe Fläche anschliessend vom Eingang aus. Ist das Werk dort tatsächlich im Blick, oder sehen Sie es vor allem im Vorbeigehen? Nicht jede freie Wand ist automatisch der richtige Standort.
- Messen Sie die nutzbare Wandfläche und die Höhe der Möbeloberkante.
- Notieren Sie in Zentimetern die Abstände zu Schaltern, Leuchten, Vorhängen und seitlichen Hindernissen.
- Markieren Sie den gewünschten unteren und oberen Bildrand provisorisch mit einer für die Wand geeigneten Methode.
- Vergleichen Sie die Position im Sitzen und im Stehen.
Entscheiden Sie anhand dieser Ansichten, welche Position für Sie stimmig ist. Eine pauschale Hängungshöhe oder ein fester Abstand zum Sofa ersetzt diesen Vergleich nicht. Prüfen Sie auch, ob die Wand im Alltag teilweise verdeckt wird, etwa durch eine offene Tür.
3. Grösse und Format: Gleiche Breite, andere Präsenz
Die Bildgrösse fürs Wohnzimmer lässt sich mit Papierflächen in Originalgrösse greifbar prüfen. Stellen Sie für Ihre Kandidaten passende Flächen zusammen und befestigen Sie diese provisorisch an der vorgesehenen Stelle. So vergleichen Sie zunächst die Dimensionen, ohne sich bereits auf Motiv oder Farbe festzulegen.
| Werk | Masse | Format |
|---|---|---|
| Etter 4791 | 100 × 100 cm | Quadrat |
| Urban Prelude | 80 × 100 cm | Querformat |
| The Window Room | 170 × 100 cm | Hochformat |
Obwohl alle drei Werke gleich breit sind, beansprucht «The Window Room» deutlich mehr Wandhöhe als «Urban Prelude». Halten Sie beim ersten Vergleich die Unterkante gleich und betrachten Sie die Flächen von Ihren tatsächlichen Sitzplätzen. Passen Sie danach die Position einzeln an. Wie viel freie Wand wünschen Sie darüber und daneben? Wie wirkt der Bezug zu den Möbeln? Proportionsregeln sind höchstens Orientierungshilfen, keine verbindlichen Vorgaben.
4. Farbe: Verbindung zur Einrichtung oder bewusster Kontrast?
Für die Farbwahl gibt es zwei gleichberechtigte Wege: Sie greifen einen vorhandenen Farbton auf oder lassen bewusst eine neue Farbigkeit zu. Eine Verbindung kann über Teppich, Polster oder einen einzelnen Gegenstand entstehen. Ein Kontrast darf dagegen gerade das sein, was Sie am Werk reizt.
«Urban Prelude» ist als grau und mehrfarbig erfasst, «The Window Room» als blau und mehrfarbig. Nutzen Sie diese Angaben zur Vorauswahl, nicht als vollständige Beschreibung der Bilder. Stellen Sie beide Kandidaten in einem Raumfoto gegenüber: Welches Werk würden Sie wählen, wenn die Kissen später ausgetauscht würden?
Vergleichen Sie Ihre Auswahl bei Tageslicht und mit Ihrer üblichen Abendbeleuchtung. Notieren Sie, was Ihnen jeweils gefällt oder nicht gefällt, statt von Farben eine festgelegte Wirkung zu erwarten. Ein Bildschirmvergleich bleibt eine erste Annäherung.
5. Material und Oberfläche: Was zeigt erst das Original?
Die Medien unterscheiden sich: «Etter 4791» ist in Mischtechnik ausgeführt, «Urban Prelude» in Mischtechnik auf Leinwand und «The Window Room» in Acryl. Diese Bezeichnungen sagen jedoch nicht zuverlässig, welche konkrete Oberflächenstruktur, Rahmung oder Seitenansicht Sie erwartet. Prüfen Sie das am jeweiligen Original.
- Betrachten Sie die Oberfläche aus der Nähe und aus Ihrer ungefähren Sitzentfernung.
- Wechseln Sie den Blickwinkel und achten Sie auf mögliche Spiegelungen.
- Sehen Sie sich auch die Seitenansicht und die vorhandene Präsentation an.
- Fragen Sie nach werkbezogenen Hinweisen zur Platzierung und Pflege, statt sie aus dem Materialnamen abzuleiten.
Im 160 m² grossen Showroom des Kunstwarenhauses am Neumarkt 6, 8001 Zürich, sind fast alle Werke der Website ausgestellt. Klären Sie vor einem gezielten Besuch, ob Ihre Favoriten vor Ort zu sehen sind. Das Kunstwarenhaus verkauft ausschliesslich Originalkunstwerke, keine Poster, Drucke oder Duplikate.
6. Budget: Welche Gesamtausgabe ist für Sie stimmig?
Legen Sie Ihr persönliches Ausgabenlimit fest, bevor Sie die endgültige Auswahl treffen. Unterscheiden Sie zwischen dem Werkpreis und der Gesamtausgabe bis zur gewünschten Präsentation. Klären Sie deshalb Lieferung sowie eine gegebenenfalls nötige Rahmung oder Montage, ohne diese Leistungen oder Kosten vorauszusetzen.
- Etter 4791: CHF 1’800
- Urban Prelude: CHF 1’900
- The Window Room: CHF 3’050
Prüfen Sie vor Ihrer Entscheidung den aktuellen Preis und die Verfügbarkeit. Fragen Sie sich auch: Würde ich dieses Werk weiterhin bevorzugen, wenn alle drei gleich viel kosteten? So trennen Sie Ihre künstlerische Vorliebe von der finanziellen Abwägung.
Kunstmiete kann für Privatpersonen eine Alternative sein. Lassen Sie sich dafür die Konditionen und Gesamtkosten Ihrer gewünschten Laufzeit erläutern. Miete ist weder ein kostenloser Test noch grundsätzlich der günstigere Weg zum Kauf; sie ist vom Gratis-Probehängen zu unterscheiden.
7. Vor dem Kauf: Zwei Favoriten im eigenen Raum vergleichen
Jetzt verbinden Sie die bisherigen Entscheidungen. Nehmen Sie ein Raumfoto auf, auf dem die vorgesehene Wand und die angrenzenden Möbel gut erkennbar sind. Halten Sie die gemessenen Abstände bereit und vergleichen Sie Ihre zwei Favoriten möglichst in derselben Ansicht.
- Öffnen Sie die jeweilige Kunstwerkseite. Über das Sofa-Symbol können Sie Ihr eigenes Raumfoto hochladen und das Werk darin platzieren.
- Für einen massstabsgetreuen Vergleich können Sie eine kostenlose Fotomontage anfragen: Sie senden Ihr Raumfoto, die Galerie fügt die ausgewählten Werke passend ein.
- Nutzen Sie bei offenen Auswahlfragen die kostenlose persönliche Beratung, auf Wunsch auch bei Ihnen zuhause. Für Unentschlossene bietet das Kunstwarenhaus Gratis-Probehängen.
Eine Visualisierung hilft beim Vergleich von Platzierung und Format, ist aber kein physisches Probehängen. Erst das Original lässt Sie Oberfläche und Präsenz unmittelbar beurteilen. Über die persönliche Kunstberatung können Sie Ihre offenen Fragen zu den Favoriten besprechen.
- Bezug: Ich kann sagen, warum ich dieses Werk täglich sehen möchte.
- Standort: Ich habe die Ansicht vom Sofa und vom Eingang geprüft.
- Format: Höhe und Breite sind an meiner Wand getestet.
- Farbe: Verbindung oder Kontrast zur Einrichtung sind bewusst gewählt.
- Material: Oberfläche und Präsentation habe ich am Original beurteilt.
- Budget: Werkpreis und mögliche Zusatzkosten passen in mein Limit.
- Raumprüfung: Offene Zweifel habe ich mit Visualisierung, Beratung oder Probehängen geklärt.
Die passende Originalkunst fürs Wohnzimmer muss weder einen Einrichtungstrend erfüllen noch einer festen Proportionsformel entsprechen. Entscheidend sind Ihr persönlicher Bezug, ein überprüfter Platz und eine Ausgabe, mit der Sie sich wohlfühlen. Wenn zwei Werke übrig bleiben, vergleichen Sie nicht immer weitere Bilder, sondern diese beiden sorgfältiger in Ihrem tatsächlichen Raum.
Wählen Sie im Katalog der Originalkunstwerke zwei bis drei Favoriten aus und prüfen Sie sie mit den sieben Entscheidungen.
